Viele Beschäftigte im Kreis sind auf zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen

Trotz leicht positiver Tendenz ist die sogenannte Erwerbsarmut auch bei uns ein ernstes Problem, welches wir nicht länger ignorieren dürfen.

Bild: stefan finger

Erwerbsarmut im Rhein-Erft-Kreis

Alarmierende Zahlen gab es in einer Antwort des Landrats auf eine Anfrage des Hürther SPD-Kreistagsmitglied Klaus Lennartz. Dieser wollte wissen, wie viele Leistungsempfänger vom Jobcenter betreut werden, die trotz Arbeit Unterstützung erhalten müssen. Aus ihr geht hervor, dass ein Viertel der betreuten Leistungsberechtigten einer Tätigkeit nachgehen, aber trotzdem finanziell unterstützt werden müssen.

Anzahl betreuter erwerbsfähiger Leistungsberechtigter: 26,384

davon erwerbstätig: 6,687

davon geringfügig beschäftigt (unter 450 Euro): 47,7%

  • zwischen 450 u 850 Euro: 18,6%
  • zwischen 850 u 1200 Euro: 12,6%
  • über 1200 Euro: 14,3%

(in 7,3% erhielten Selbstständige ergänzende Unterstützung)

Problem der Erwerbsarmut ist erschreckend

Es wird deutlich, dass auch bei uns im Rhein-Erft-Kreis die sogenannte Erwerbsarmut, trotz leicht positiver Tendenz in den letzten zwei Jahren, ein echtes Problem ist. Mini- und Midijobber machen ein Großteil dieser Unterstützungsempfänger aus. Auch wenn klar ist, dass gar nicht alle davon mehr arbeiten wollen oder können, so wird doch sehr deutlich, dass hier ein Problemschwerpunkt liegt. Solche Arbeit reicht nicht zum Leben.

Aber das Problem ist weitreichender. Klaus Lennartz erläutert die Problematik so:

„Es ist doch ganz klar, dass es weder den betroffenen Menschen, noch uns als Gesellschaft wirklich weiter bringt, wenn wir aus Arbeitslosen arme Arbeitnehmer machen. Das ist eine Verbesserung, mit der wir nicht zufrieden sein dürfen. Denn aus armen Arbeitnehmern werden auch zwangsläufig arme Rentner.“

Runder Tisch soll überparteilich Lösungsansätze erarbeiten

Deshalb regt die SPD-Fraktion einen runden Tisch mit allen maßgeblichen Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Jobcenter an, der sich konkret mit regionalen Lösungsmöglichkeiten beschäftigt.

Wir müssen das Problem jetzt gezielt und durchdacht angehen, damit das Problem nicht so lange weiterwächst, bis es nicht mehr kontrollierbar ist. Dazu sollten wir versuchen überparteilich und lösungsorientiert zusammen zu arbeiten. Ein runder Tisch bietet dazu die Gelegenheit und ermöglicht auch über den Tellerrand hinauszublicken und sich Fachwissen aus verschiedenen Bereichen hinzuzuholen.

Mein Parteifreund Klaus Lennartz betont den Handlungsdruck: „Die demografische Entwicklung befeuert das Problem leider noch. Vor allem Altersgrundsicherung und Wohngeld werden die Haushalte der Kommunen immer weiter belasten. Dadurch fehlt dann Geld für Investitionen etwa in Infrastruktur oder Kindergärten. Die Zahlen machen auch deutlich, dass ein guter allgemeiner Trend auf dem Arbeitsmarkt das Problem nur verringert, aber nicht lösen kann.“

Wohnkosten ein großes Problem

Einer der in der Antwort genannten Faktor, der dazu führt, dass Erwerbstätige auch in Vollzeit oftmals Unterstützung benötigen überrascht mich natürlich überhaupt nicht.

Das Jobcenter sagt klar, dass die überdurchschnittlichen Wohnkosten in unserer Region ein wesentlicher Faktor sind, der arbeitende Menschen arm hält. Seit Jahren versucht die SPD-Fraktion den Kreis dazu zu bewegen dass Problem „bezahlbarer Wohnraum“ endlich anzugehen. Es zeigt sich, dass die fortwährende Passivität nicht weiter tragbar ist. Nicht nur verarmen durch die enormen Mieten arbeitende Menschen. Darüber hinaus belasten diese Mieten auch die Kommunen, die Wohnkostenzuschüsse ja aus dem eigenen Haushalt bezahlen müssen. Dies ist ein Bereich, in dem wir endlich handeln müssen. Wir Sozialdemokraten haben wiederholt Vorschläge gemacht und hoffen, dass diese nun endlich aufgegriffen werden.

Mehr dazu:

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